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Zwar eine Frage zur Mathematik, aber nicht über eine spezielle Aufgabe oder Thema, sondern über die Mathematik als Ganzes. Ich habe hier in der Vergangenheit schon ähnliche Fragen gestellt, da ich im Informatik Studium immer wieder mit der Mathematik aneinandergeraten bin. Vor allem Beweise haben mir Probleme gemacht.

Mittlerweile bin ich im Master, habe auch schon Übungsgruppen an der Uni in Mathefächern (vor allem beweislastige Module) unterrichtet und würde sagen ich bin mittlerweile auf jeden Fall auf einem ganz annehmbaren Level.

Allerdings (!) habe ich trotzdem weiterhin große Probleme mit der Mathematik. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich die Mathematik nicht so richtig begreife. Ich habe Probleme damit Verbindungen zwischen mathematischen Gebieten zu ziehen, und wenn ich mich länger mit einem Thema nicht beschäftige, dann entfällt mir das fast komplett. In anderen Gebieten habe ich diese Schwächen überhaupt nicht.

Gleichzeitig merke ich in meinem Informatik Studium aber auch, dass die Mathematik definitiv der Kern des Ganzen ist.

Vielleicht habt ihr ja Ratschläge, wie ich weitermachen soll. Ich habe schon fast das Bedürfnis die Mathematik noch ein mal ganz von vorne aufzurollen, in der Hoffnung, dass ich durch das bisher angesammelte Wissen einen besseren Überblick bekomme, wenn ich noch mal alles durchgehe. Aber ich weiß nicht, ob sich das lohnt. Bin für alle Ratschläge dankbar.

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Ich kann an Deiner Schilderung nichts ungewöhnliches finden und auch nichts, was beunruhigend sein sollte.

Ich habe einfach das Gefühl, dass ich die Mathematik nicht so richtig begreife. Ich habe Probleme damit Verbindungen zwischen mathematischen Gebieten zu ziehen,

Gib mal ein ganz konkretes Beispiel für das, was Du nicht begreifst bzw. welche Verbindungen Du nicht ziehen kannst.

Sagen wir du wirfst jetzt ein mathematisches Konzept in den Raum, zum Beispiel eine abelsche Gruppe. Ich könnte dir da absolut nichts zu sagen. Wofür braucht man das? Wie leitet man das her? Was waren noch mal die Eigenschaften? Wo findet das Verwendung? Nichts. Ich könnte dir nicht mal sagen wie das Gebiet der Mathematik heißt, zu dem das gehört.

In der Informatik oder auch in anderen Bereichen wie Geschichte hätte ich so etwas nicht. Wenn ich da ein mal etwas gehört habe, dann kann ich dir auch Jahre später dazu was erzählen, wieso das wichtig ist, wo das Anwendung findet usw.

Wenn Bezug zur Informatik helfen würde, dann überleg Dir mal, ob die Maschinenzahlen auf einem bestimmten Rechner zusammen mit der darauf definierten Addition eine abelsche Gruppe bilden. Und was das für Konsequenzen hat.

Mathematik wird meistens in der Form: Definition - Satz - Beweis gelehrt.

Das macht es für viele schwer, sich davon ‚ein Bild zu machen‘, warum, weshalb.

Es bleibt dann beim auswendig lernen und nach der Klausur wird es schnell wieder vergessen, ganz normal.

Vielleicht ist es daher für Dich einfacher, anders herum vor zu gehen: bei Deinem Beispiel also anfangen mit:  warum brauche ich Gruppen, wo kommen sie vor, was haben sie für Eigenschaften. Menschen merken sich ‚Geschichten‘ meistens besser als nackte Fakten.

Mathematiker können sich diese abstrakten Dinge auf ihre Art ‚vorstellen‘, je besser die Bilder sind, umso besser ist die Person in Mathematik, weil man nicht mit auswendig gelernten Dingen umgeht sondern mit Bildern, und sich dann auch leichter vorstellen kann, was passiert wenn…, und Zusammenhänge mit anderen Berechen erkennen können.

Hinkender Vergleich, ich kann blind Schach spielen (bis zu einer gewissen Grenze) bin aber drastisch schlechter als sehend. Großmeister ‚sehen‘ das Brett beim blind spielen vor sich und sind daher Klassen besser…

Was heißt für dich BEGREIFEN?

M.E. hat man etwas begriffen, wenn man etwas einem anderen mit eigenen Worten erklären kann. Wie siehst du das?

Übrigens spielt immer auch Interesse an einer Sache eine wichtige Rolle.

Vlt. interessiert dich manches (unterbewusst) nicht wirklich.

Was ist denn an dem Beitrag Spam oder geht es nur darum, wer ihn mutmaßlich verfasst hat?

Wie lernt man die Mathematik richtig?

Was ist typisch für falsches Mathematiklernen?

Was sind klassische Fehler? Vielleicht mit Beispielen. Danke im Voraus.

Mathematiker können sich diese abstrakten Dinge auf ihre Art ‚vorstellen‘, je besser die Bilder sind, umso besser ist die Person in Mathematik,

Beispiel?

Wie lernt man die Mathematik richtig?

Ich glaube, hier geht es nicht nur um „richtiges“ Lernen, sondern vor allem um nachhaltiges und effizientes Lernen. Jedenfalls würde ich das unter „richtig“ verstehen.

Mathematiker können sich diese abstrakten Dinge auf ihre Art ‚vorstellen‘, je besser die Bilder sind, umso besser ist die Person in Mathematik,

Dafür muss man kein Mathematiker sein und ist auch für Schüler bereits sinnvoll.

Beispielsweise kann man jemandem die Schritte zur Lösung einer einfachen linearen Gleichung erklären, die dann auch umgesetzt werden können, ohne jedoch verstanden zu haben, was da mathematisch passiert und vor allem, warum das funktioniert. Eine geläufige Vorstellung ist das Bild der Waage, die im Gleichgewicht ist. Die Waage ist also ein Modell, mit dem man die Struktur einer Gleichung besser verstehen kann.

Ein weiteres Beispiel ist das Verständnis, dass ein Dreieck ein halbes Rechteck bzw. Parallelogramm ist (ich kann jedes Dreieck zu einem passenden Rechteck mit gleicher Grundseite und Höhe ergänzen, um diesen Zusammenhang sofort zu sehen). Dann muss ich nur noch die korrekten Größen zuordnen können und schon kenne ich die Flächenformel für ein Dreieck, wenn ich die eines Rechtecks kenne. Das erspart mir sofort das Auswendiglernen zweier Formeln, da ich mir mit Hilfe meiner Vorstellung eine Formel sofort herleiten kann und dazu ein passendes Bild vor Augen habe. Ähnliche Konstruktionen funktionieren auch für Parallelogramme, Trapeze, Rhomben und Drachenvierecke.

Auch in der Grundschule hilft mathematisches Verständnis und Vorstellungskraft sehr: Wenn ich verstanden habe, dass \(7\cdot 4\) nichts anderes ist als \(5\cdot 4+2\cdot 4\), habe ich immer einen Vorteil gegenüber denjenigen, die diese Zerlegung nicht schaffen. Ich muss also gar nicht auswendig lernen (das passiert irgendwann automatisch, wenn man hinreichend viel übt), was die Ergebnisse sind, sondern kann sie mir mit Hilfe einer einfachen Addition schnell herleiten. Das erfordert aber die Vorstellung von Zahlen als Menge (Kardinalzahlen) und nicht als „Zählwerkzeug“ (Ordinalzahlen). Kinder, denen diese Unterscheidung fehlt, tun sich im Rechnen also deutlich schwerer. Leider wird das durch Lehrerkräfte oft nicht erkannt, weil bei richtigen Ergebnissen nicht nachvollziehbar ist, ob das Kind gerechnet oder gezählt hat. Gerade in den ersten beiden Klassenstufen ist das problematisch.

Was sind klassische Fehler?

Dabei geht es auch nicht um klassische Fehler, die beim Rechnen passieren (falls das darauf bezogen ist), sondern vielmehr darum, dass Rechenwege etc. eher auswendig gelernt, aber nicht verstanden werden. Als Fehler könnte man daher also etwa folgende Dinge nennen:

- Rechenwege werden ohne mathematisches Verständnis auswendig gelernt. Der Transfer auf andere Aufgaben gelingt häufig nicht, sobald auch nur eine Kleinigkeit anders ist.

- Man orientiert sich nur an bekannten Aufgaben. Sobald eine Aufgabe etwas anders gestellt ist oder etwas mehr Verständnis verlangt, geht diese Orientierung verloren.

Dazu hatte ich erst vor kurzem eine Situation: Ein Schüler sollte den Term \((a+7)^2\) mit Hilfe der ersten binomischen Formel vereinfachen. Nach dem eigenen Versuch mit \(a^2+49\) und der Erklärung, dass da etwas fehlt, gelang es dann am Ende auch (übrigens gibt es auch dazu eine sehr schöne Visualisierung). Zehn Minuten später sollte der Schüler die Parabel \(f(x)=(x+7)^2\) in die allgemeine Form überführen, woran er erneut kläglich gescheitert ist, obwohl die Rechnung zur obigen Aufgabe identisch ist. Er wusste, was die allgemeine Form ist, hat aber nicht verstanden, dass er hier auch nur die binomische Formel anwenden muss. Die Aufgabe war eben nicht formuliert als „wende die binomische Formel an“.

- Unklare Begriffe werden vorher nicht geklärt. Wenn ich nicht weiß, was ein Extrempunkt bedeutet (Steigung muss Null sein und das Monotonieverhalten ändert sich), kann ich ihn vielleicht rechnerisch bestimmen, verstehe aber nicht, was ich da eigentlich tue.

- Ergebnisse werden nicht auf Plausibilität geprüft. Dann entstehen Antworten wie Fußbälle, die mehrere Tonnen wiegen, Flugzeuge auf einer Reiseflughöhe von 200 Metern oder Pflanzen mit negativer Wachstumsgeschwindigkeit.

- Man schaut zu schnell in eine Musterlösung und das meist, ohne selbst etwas versucht zu haben. Das führt zur Verwechslung von „Ich erkenne die Aufgabe/den Rechenweg wieder.“ vs. „Ich kann diese Aufgabe selbstständig lösen.“

- Eigene Fehler werden im Nachhinein nicht analysiert. Fehler werden oft nur zur Kenntnis genommen, aber nicht wirklich ausgewertet. Dabei könnte man gerade aus diesen Fehlern sehr viel lernen.

Danke für deine ausführliche Antwort.

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Ich würde nicht versuchen, die gesamte Mathematik noch einmal von vorne durchzuarbeiten. Deine Schilderung klingt weniger danach, dass du den Stoff nicht verstanden hast, sondern eher danach, dass vieles nicht mehr abrufbar ist (siehe Kommentar von user26605). Das ist aber vollkommen normal, wenn man schlicht nur für die einzelnen Prüfungen lernt und sich nicht mehr mit bestimmten Themen befasst.

Stattdessen solltest du das vorhandene Wissen gezielt wieder reaktivieren, sofern du es benötigst, also dir die Dinge anschauen, die für deinen Werdegang relevant sind. Ich weiß auch viele Dinge nicht mehr, bin aber in der Lage, gezielt nach den Dingen zu suchen, die ich brauche. Wenn man Themen vorher verstanden hat, kommt man mit ein bisschen Auseinandersetzung auch schnell wieder in das Thema rein.

Grundsätzlich ist für einzelne Begriffe folgende Vorgehensweise sinnvoll:

- Wie lautet die Definition?

- Was ist das einfachste Beispiel und was ist ein Gegenbeispiel?

- Welches Problem wird durch den Begriff beschrieben/gelöst?

- In welchen wichtigen Sätzen und Resultaten kommt der Begriff vor?

- Wo sind Verbindungen zu anderen Begriffen? Was sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

- Gibt es einen Bezug zur Informatik? (für dich relevant)

Im besten Fall versucht man erst einmal, diese Fragen aus der Erinnerung zu beantworten und ergänzt anschließend die Lücken.

Im Fall der abelschen Gruppe mit Bezug zur Informatik kann man bspw. untersuchen, ob die Menge der n-Bit-Strings zusammen mit der XOR-Verknüpfung eine abelsche Gruppe bildet.

Ein ähnliches Vorgehen eignet sich für Beweise:

- Beweis lesen und verstehen.

- Aus dem Gedächtnis rekonstruieren.

- Was sind die Voraussetzungen? Was soll gezeigt werden?

- Wo wird welche Voraussetzung genutzt?

- Was geht schief, wenn eine bestimmte Voraussetzung nicht erfüllt ist und warum?

Am Ende geht es nicht darum, zu jedem Begriff auch nach längerer Zeit alles sagen zu können, sondern mit Hilfe bestimmter Anhaltspunkte und konkreten Beispielen das vorhandene Wissen wieder aufzufrischen und es in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können.

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